"Wer glaubt, ist nie allein – im Leben nicht und auch im Sterben nicht." Benedikt XVI.
Lesungen vom 6. Sonntag im Jahreskreis: Sir 15,15-20; Ps 119,1-2.4-5.17-18.33-34; 1 Kor 2,6-10; Mt 5,17-37
„Im Evangelium der heutigen Liturgie sagt Jesus: »Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben! Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen« (Mt 5,17). Erfüllen: das ist ein Schlüsselwort, um Jesus und seine Botschaft zu verstehen. … Die Botschaft ist klar: Gott liebt uns als Erster, unentgeltlich, und macht den ersten Schritt auf uns zu, ohne dass wir es verdient hätten; und folglich können wir seine Liebe nicht feiern, ohne unsererseits den ersten Schritt zur Versöhnung mit denen zu tun, die uns verletzt haben. So gibt es in den Augen Gottes Erfüllung, sonst ist die äußere, rein rituelle Einhaltung nutzlos, sie wird zur Verstellung. Mit anderen Worten: Jesus gibt uns zu verstehen, dass die religiösen Vorschriften dienen, dass sie nützlich und gut sind, dass sie allerdings nur der Anfang sind: Zu ihrer Erfüllung muss man über den Buchstaben hinausgehen und ihren Sinn leben. Die Gebote, die Gott uns gegeben hat, dürfen nicht in den erstickenden Tresoren der formalen Observanz eingeschlossen werden, sonst bleiben wir in einer äußeren und losgelösten Religiosität stecken, eher Diener eines »Gottes, der Meister ist« als Kinder Gottes des Vaters. Jesus will, dass wir nicht die Vorstellung hegen, einem herrischen Gott zu dienen, sondern dem Vater; und zu diesem Zweck ist es notwendig, über den bloßen Buchstaben hinauszugehen.“