"Es muss Wärme von uns ausgehen. Den Menschen muss es in unserer Nähe wohl sein, und sie müssen fühlen, dass der Grund dazu in unserer Verbindung mit Gott liegt." Pater Rupert Mayer

Wenn ihr doch Glauben hättet wie ein Senfkorn!

„Der Glaube, der mit dem Senfkorn vergleichbar ist, ist ein Glaube, der nicht stolz und selbstbewusst daherkommt; er täuscht nicht vor, der Glaube eines großen Gläubigen zu sein und dabei bisweilen auch eine schlechte Figur abgibt! Es ist ein Glaube, der in seiner Demut ein großes Bedürfnis nach Gott verspürt und sich in seiner Kleinheit mit vollem Vertrauen ihm hingibt. Es ist der Glaube, der uns dazu befähigt, hoffnungsvoll auf die verschiedenen Wechselfälle des Lebens zu schauen, der uns hilft, auch die Niederlagen, die Leiden hinzunehmen, im Bewusstsein, dass das Böse niemals das letzte Wort hat und haben wird.“

Franziskus, 06.10.2019 Angelus

Wer von allen vergessen ist, den vergißt Gott nicht

Lesungen zum 26. Sonntag in Jahreskreis: Am 6,1a.4-7;Ps 146,6-7.8-9a.9b-10;1 Tim 6,11-16;Lk 16,19-31

Heute stellt uns das Lukasevangelium das Gleichnis vom reichen Mann und vom armen Lazarus vor (Lk 16,19–31). Der Reiche personifiziert den ungerechten Gebrauch des Reichtums durch den, der ihn für einen zügellosen und egoistischen Luxus verwendet und dabei nur an seine eigene Genugtuung denkt, ohne sich im geringsten um den Bettler zu kümmern, der vor seiner Tür steht. Der Arme repräsentiert im Gegensatz dazu den Menschen, um den sich nur Gott kümmert: im Unterschied zum reichen Mann hat er einen Namen, Lazarus, eine Abkürzung für Eleasar, was heißt: »Gott hilft ihm.« Wer von allen vergessen ist, den vergißt Gott nicht; wer in den Augen der Menschen nichts wert ist, ist wertvoll in den Augen des Herrn. Der Bericht zeigt, wie die irdische Ungerechtigkeit von der göttlichen Gerechtigkeit umgestoßen wird: Nach dem Tod wird Lazarus »in Abrahams Schoß« aufgenommen, das heißt in die ewige Seligkeit; der reiche Mann hingegen endete »in der Unterwelt«, »wo er qualvolle Schmerzen litt«. Es handelt sich um einen neuen Stand der Dinge, gegen den keine Berufung einzulegen und der endgültig ist; somit muß man sich während des Lebens bessern, es nachher zu tun ist nutzlos.

Benedikt XVI, Angelus 30.09.2007

Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon

Lesungen zum 25. Sonntag im Jahreskreis: Am 8,4-7;Ps 113,1-2.4-5.6-7.8-9;1 Tim 2,1-8;Lk 16,1-13

 

Mammon ist ein Begriff phönizischer Herkunft, der wirtschaftliche Sicherheit und Erfolg in den Geschäften wachruft; wir könnten sagen, daß im Reichtum das Götzenbild angezeigt ist, dem alles geopfert wird, nur um den eigenen materiellen Erfolg zu erreichen, und so wird dieser wirtschaftliche Erfolg zum wahren Gott eines Menschen. Es ist also eine Grundentscheidung zwischen Gott und dem Mammon notwendig – es ist die Entscheidung zwischen der Logik des Profits als letztes Kriterium unseres Handelns und der Logik des Teilens und der Solidarität notwendig. Wenn die Logik des Profits die Oberhand gewinnt, so vermehrt sie das Mißverhältnis zwischen Reich und Arm sowie die zerstörerische Ausbeutung des Planeten. Wenn hingegen die Logik des Teilens und der Solidarität überwiegt, ist es möglich, den Kurs zu korrigieren und ihn auf eine gerechte Entwicklung auszurichten, zum gemeinsamen Wohl aller. Im Grunde handelt es sich um die Entscheidung zwischen dem Egoismus und der Liebe, zwischen der Gerechtigkeit und der Unehrlichkeit, schließlich zwischen Gott und Satan. Wenn die Liebe zu Christus und den Brüdern nicht als etwas Nebensächliches und Oberflächliches angesehen wird, sondern vielmehr als der wahre und letzte Zweck unserer ganzen Existenz, muß man es verstehen, Grundsatzentscheidungen zu fällen, bereit zu sein zu radikalen Verzichten, wenn notwendig bis hin zum Martyrium. Heute wie gestern erfordert das Leben des Christen den Mut, gegen den Strom zu schwimmen, wie Jesus zu lieben, der bis zum Opfer seiner selbst am Kreuz gegangen ist.

Benedikt XVI 23. September 2007, Auszug aus einer Predigt

Du liegst Gott am Herzen

Lesungen zum 24. Sonntag im Jahreskreis: Ex 32,7-11.13-14;Ps 51,3-4.12-13.17 u. 19;1 Tim 1,12-17;Lk 15,1-32

Im ersten Gleichnis sagt er: »Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Wüste zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet?« (V. 4). Wenn einer von euch…? Ein vernünftiger Mensch tut das nicht: Er rechnet schnell nach und opfert das eine, um die neunundneunzig zu behalten. Gott hingegen gibt nicht auf. Gerade du, der du die Schönheit seiner Liebe noch nicht kennst, liegst ihm am Herzen; du, der du Jesus noch nicht in die Mitte deines Lebens aufgenommen hast; du, der du deine Sünde nicht zu überwinden vermagst; du, der du vielleicht aufgrund der schlimmen Dinge, die in deinem Leben geschehen sind, nicht an die Liebe glaubst.

Franziskus, Angelus 15.09.2019

Das wahre Gut liegt darin, ihm nahe zu sein.

Lesungen zum 22. Sonntag im Jahreskreis: Sir 3,17-18.20.28-29;Ps 68,4-5b.6-7.10-11;Hebr 12,18-19.22-24a;Lk 14,1.7-14

Am Schluß des Gleichnisses gibt Jesus dem führenden Pharisäer den Rat, an seinen Tisch nicht die Freunde, Verwandten oder reichen Nachbarn zu laden, sondern die Armen und Ausgegrenzten, die es nicht vergelten können (vgl. Lk 14,13–14), damit das Geschenk unentgeltlich sei. Den wahren Lohn wird nämlich am Ende Gott geben, denn »Gott regiert die Welt… Wir dienen ihm nur, soweit wir können und er uns die Kraft dazu gibt« (Deus caritas est, 35). Erneut also schauen wir auf Christus als Vorbild der Demut und Unentgeltlichkeit: Von ihm lernen wir die Geduld in den Versuchungen, die Milde in den Beleidigungen, den Gehorsam gegenüber Gott im Leiden, in der Erwartung, daß der, der uns eingeladen hat, zu uns sagt: »Mein Freund, rück weiter hinauf!« (Lk 14,10); denn das wahre Gut liegt darin, ihm nahe zu sein.

Benedikt XVI Angelus am 29.08.2010