„Wir glauben nicht an Gott, weil wir ihn brauchen, sondern weil er uns liebt“, Kardinal Gerhard Ludwig Müller

Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.

Lesungen zum 4. Sonntag im Jahreskreis: Zef 2,3;3,12-13;Ps 146,5 u. 7.8-9a.9b-10;1 Kor 1,26-31;Mt 5,1-12a

„Die Friedfertigen aber werden selig genannt, also die, die zuerst in ihrem Herzen und dann unter den streitenden Brüdern Frieden stiften. Was nützt es nämlich, wenn andere durch dich Frieden erlangen, während in deinem Herzen die Kämpfe der Laster toben?“ (Hieronymus)

„Friedensstifter sind nicht nur diejenigen, die Feinde miteinander versöhnen, sondern auch Menschen, die den Frieden lieben, ohne daß sie erfahrenes Unrecht im Gedächtnis nähren. Der selige Friede nämlich hat im Herzen seinen Sitz, nicht nur in den Worten.“ (Pseudo-Chrysostomus)

Catena Aurea

Bekehrung ist Verwandlung des Denkens

Lesungen zum 3. Sonntag im Jahreskreis: Jes 8,23b - 9,3;Ps 27,1.4.13-14;1 Kor 1,10-13.17;Mt 4,12-23

„Das ist wichtig: sich bekehren heißt nicht nur, seine Lebensweise zu verändern, sondern auch seine Denkweise. Es ist eine Verwandlung des Denkens. Es geht nicht darum, das Gewand zu wechseln, sondern die Gewohnheiten! Das, was Jesus von Johannes dem Täufer unterscheidet, sind der Stil und die Methode. Jesus entscheidet sich dafür, ein Wanderprediger zu sein. Er wartet nicht einfach auf die Leute, sondern er geht ihnen entgegen. Jesus ist immer auf der Straße! Zu seinen ersten missionarischen Unternehmen kommt es entlang des Sees von Galiläa, im Kontakt mit der Menschenmenge, besonders mit den Fischern. Dort verkündet Jesus nicht nur das Kommen des Reiches Gottes, sondern sucht Gefährten, um sie an seiner Sendung des Heils zu beteiligen. An diesem selben Ort begegnet er zwei Paaren von Brüdern: Simon und Andreas sowie Jakobus und Johannes. Er ruft sie mit den Worten: »Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen« (V. 19). Der Ruf ergeht an sie mitten in ihrer alltäglichen Arbeit: der Herr offenbart sich uns nicht auf außergewöhnliche oder aufsehenerregende Weise, sondern in der Alltäglichkeit unseres Lebens. Dort müssen wir den Herrn finden; und dort offenbart er sich und lässt unser Herz seine Liebe verspüren; und dort – durch diesen Dialog mit ihm in der Alltäglichkeit des Lebens – verändert er unser Herz.“

Franziskus: Petersplatz Sonntag, 22. Januar 2017

Ja, wir sind immer noch arme Sünder, nicht aber Sklaven, nein, keine Sklaven: Kinder, Kinder Gottes!

Lesungen vom 2. Sonntag im Jahreskreis: Jes 49,3.5-6;Ps 40,2 u. 4ab.7-8.9-10;1 Kor 1,1-3;Joh 1,29-34

Der Evangelist Johannes beschreibt im Gegensatz zu den anderen drei Evangelisten nicht das Ereignis, sondern stellt uns das Zeugnis Johannes des Täufers vor Augen. Er war der erste Zeuge Christi. Gott hatte ihn berufen und darauf vorbereitet. …

Wir lernen von Johannes dem Täufer, nicht davon auszugehen, Jesus bereits zu kennen, bereits alles über ihn zu wissen (vgl. V. 31). Dem ist nicht so. Verweilen wir beim Evangelium und betrachten vielleicht auch ein Bild Christi, ein »Heiliges Antlitz«. Betrachten wir mit unseren Augen, und mehr noch mit unseren Herzen. Und lassen wir uns vom Heiligen Geist belehren, der uns im Inneren sagt: Er ist es! Er ist der Sohn Gottes, das aus Liebe geopferte Lamm. Er, er allein hat die Sünde getragen, er allein hat sie erlitten, er allein hat sie gesühnt, die Sünde eines jeden von uns, die Sünde der Welt und auch meine Sünden. Alle. Er hat sie alle auf sich genommen, und so hat er sie uns abgenommen, damit wir endlich frei und keine Sklaven des Bösen mehr seien. Ja, wir sind immer noch arme Sünder, nicht aber Sklaven, nein, keine Sklaven: Kinder, Kinder Gottes!

PAPST FRANZISKUS ANGELUS Petersplatz Sonntag, 19. Januar 2020

Gott ist uns nah!

Taufe Jesu, Gemälde im Petersdom Rom

„Mitten in der Menge der Büßer, die sich Johannes dem Täufer nähert, um die Taufe zu empfangen, ist auch Jesus. Er stand in der Schlange. Johannes möchte das nicht zulassen und sagt zu ihm: »Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir?« (Mt 13,14). Der Täufer ist sich nämlich des großen Abstands bewusst, der zwischen ihm und Jesus liegt. Jesus aber ist gekommen, um eben diesen Abstand zwischen dem Menschen und Gott zu überwinden: Wenn er ganz auf der Seite Gottes steht, steht er auch ganz auf der Seite des Menschen und vereint, was getrennt war.

Aus diesem Grund bittet er Johannes, ihn zu taufen, damit die Gerechtigkeit ganz erfüllt wird (vgl. 15), das heißt damit der Plan des Vaters verwirklicht wird, der über den Weg des Gehorsams und der Solidarität mit dem schwachen und sündigen Menschen geht, über den Weg der Demut und der vollkommenen Nähe Gottes zu seinen Kindern. Denn Gott ist uns sehr nahe, wirklich sehr nahe!“

Franziskus, 08.01.2017