"Das ganze Leben geht auf eine Begegnung zu." Benedikt XVI.
Lesungen zum zweiten Fastensonntag Gen 12,1-4a;Ps 33,4-5.18-20 u. 22;2 Tim 1,8b-10;Mt 17,1-9

Raffaello Santi Verklärung Christi (Ausschnitt)
„Das Evangelium von der Verklärung des Herrn stellt uns die Herrlichkeit Christi vor Augen, die die Auferstehung vorwegnimmt und die Vergöttlichung des Menschen ankündigt. Die Gemeinschaft der Christen erkennt, dass sie wie die Apostel Petrus, Jakobus und Johannes „beiseite […] auf einen hohen Berg“ (Mt 17,1) geführt wird, um in Christus, als Söhne im Sohn, wieder das Geschenk der göttlichen Gnade zu empfangen: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören.“ (V. 5). Es ist eine Einladung, vom Lärm des Alltags Abstand zu nehmen, um in die Gegenwart Gottes einzutauchen: Er möchte uns tagtäglich ein Wort zukommen lassen, das tief in unseren Geist eindringt, wo es Gut und Böse unterscheidet (vgl. Hebr 4,12), und das den Willen stärkt, dem Herrn nachzufolgen.“
Lesungen vom 1. Fastensonntag: Gen 2,7-9;3,1-7; Ps 51,3-4.5-6b.12-14.17; Röm 5,12-19; Mt 4,1-11
„Was aber bedeutet: »in die Fastenzeit eintreten?« Es bedeutet, eine Zeit besonderer Anstrengung im geistlichen Kampf zu beginnen, wodurch wir dem Bösen entgegentreten, das in der Welt gegenwärtig ist, in einem jeden einzelnen von uns und in unserer Umgebung. Es bedeutet, dem Bösen ins Gesicht zu blicken und sich dafür zu entscheiden, gegen seine Wirkungen zu kämpfen, vor allem gegen seine Ursachen, bis hin zur letzten Ursache, die der Satan ist. Es bedeutet, das Problem des Bösen nicht auf die anderen abzuladen, auf die Gesellschaft oder auf Gott, sondern die eigene Verantwortung anzuerkennen und sie bewußt auf sich zu nehmen.“
Lesungen vom 6. Sonntag im Jahreskreis: Sir 15,15-20; Ps 119,1-2.4-5.17-18.33-34; 1 Kor 2,6-10; Mt 5,17-37
„Im Evangelium der heutigen Liturgie sagt Jesus: »Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben! Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen« (Mt 5,17). Erfüllen: das ist ein Schlüsselwort, um Jesus und seine Botschaft zu verstehen. … Die Botschaft ist klar: Gott liebt uns als Erster, unentgeltlich, und macht den ersten Schritt auf uns zu, ohne dass wir es verdient hätten; und folglich können wir seine Liebe nicht feiern, ohne unsererseits den ersten Schritt zur Versöhnung mit denen zu tun, die uns verletzt haben. So gibt es in den Augen Gottes Erfüllung, sonst ist die äußere, rein rituelle Einhaltung nutzlos, sie wird zur Verstellung. Mit anderen Worten: Jesus gibt uns zu verstehen, dass die religiösen Vorschriften dienen, dass sie nützlich und gut sind, dass sie allerdings nur der Anfang sind: Zu ihrer Erfüllung muss man über den Buchstaben hinausgehen und ihren Sinn leben. Die Gebote, die Gott uns gegeben hat, dürfen nicht in den erstickenden Tresoren der formalen Observanz eingeschlossen werden, sonst bleiben wir in einer äußeren und losgelösten Religiosität stecken, eher Diener eines »Gottes, der Meister ist« als Kinder Gottes des Vaters. Jesus will, dass wir nicht die Vorstellung hegen, einem herrischen Gott zu dienen, sondern dem Vater; und zu diesem Zweck ist es notwendig, über den bloßen Buchstaben hinauszugehen.“
Lesungen vom 5. Sonntag im Jahreskreis: Jes 58,7-10; Ps 112,4-5.6-7.8-9; 1 Kor 2,1-5; Mt 5,13-16
„Wie sollen wir das Wort verstehen "und stellen es unter den Scheffel"? Bedeutet es nur, das Licht zu verbergen (als würde er sagen: Niemand zündet ein Licht an und verbirgt es), oder meint "das Licht unter den Scheffel stellen" auch, die körperlichen Annehmlichkeiten über die Verkündigung der Wahrheit zu setzen? Unter den Scheffel stellt also jeder das Licht, der das Licht der guten Lehre mit zeitlichen Annehmlichkeiten überdeckt und verbirgt. Und treffend wird das körperliche Ding Scheffel genannt, sei es aufgrund der Zuteilung nach Maß - jeder erhält das, was er in seinem Körper vollbringt -, sei es, weil die zeitlichen Güter, die mit dem Körper erlebt werden, nach dem Maß der Tage (welche der Scheffel bedeutet) beginnen und vergehen; die ewigen und geistlichen Güter aber unterliegen keiner solchen Grenze. Auf den Leuchter aber stellt derjenige das Licht, der seinen Körper dem Dienst am Wort unterwirft, so daß die Predigt der Wahrheit höher steht als der Dienst am Körper: durch diese Beherrschung des Körpers nämlich leuchtet die Lehre erhabener, wenn sie den Hörern durch die Stimme und die übrigen leiblichen Regungen in guten Werken dargelegt wird.“ (Augustinus)
Lesungen vom 4. Sonntag im Jahreskreis: Zef 2,3;3,12-13; Ps 146,5 u. 7.8-9a.9b-10; 1 Kor 1,26-31; Mt 5,1-12a
„Die Seligpreisungen sind ein neues Lebensprogramm, um sich von den falschen Werten der Welt zu befreien und für die wahren Güter in Gegenwart und Zukunft zu öffnen. Wenn nämlich Gott tröstet, den Hunger nach Gerechtigkeit stillt und die Tränen der Trauernden trocknet, so bedeutet dies, daß er nicht nur einen jeden in spürbarer Weise belohnt, sondern das Himmelreich öffnet. Die Seligpreisungen sind Umsetzung von Kreuz und Auferstehung in die Jüngerexistenz. Sie spiegeln das Leben des Sohnes Gottes wider, der sich verfolgen und bis zur Verurteilung zum Tod verachten läßt, damit den Menschen das Heil geschenkt werde.“