"Das ganze Leben geht auf eine Begegnung zu." Benedikt XVI.

Das Licht unter den Scheffel stellen

Lesungen vom 5. Sonntag im Jahreskreis: Jes 58,7-10; Ps 112,4-5.6-7.8-9; 1 Kor 2,1-5; Mt 5,13-16

„Wie sollen wir das Wort verstehen "und stellen es unter den Scheffel"? Bedeutet es nur, das Licht zu verbergen (als würde er sagen: Niemand zündet ein Licht an und verbirgt es), oder meint "das Licht unter den Scheffel stellen" auch, die körperlichen Annehmlichkeiten über die Verkündigung der Wahrheit zu setzen? Unter den Scheffel stellt also jeder das Licht, der das Licht der guten Lehre mit zeitlichen Annehmlichkeiten überdeckt und verbirgt. Und treffend wird das körperliche Ding Scheffel genannt, sei es aufgrund der Zuteilung nach Maß - jeder erhält das, was er in seinem Körper vollbringt -, sei es, weil die zeitlichen Güter, die mit dem Körper erlebt werden, nach dem Maß der Tage (welche der Scheffel bedeutet) beginnen und vergehen; die ewigen und geistlichen Güter aber unterliegen keiner solchen Grenze. Auf den Leuchter aber stellt derjenige das Licht, der seinen Körper dem Dienst am Wort unterwirft, so daß die Predigt der Wahrheit höher steht als der Dienst am Körper: durch diese Beherrschung des Körpers nämlich leuchtet die Lehre erhabener, wenn sie den Hörern durch die Stimme und die übrigen leiblichen Regungen in guten Werken dargelegt wird.“ (Augustinus)

Catena Aurea

Die Seligpreisungen sind ein neues Lebensprogramm

Lesungen vom 4. Sonntag im Jahreskreis: Zef 2,3;3,12-13; Ps 146,5 u. 7.8-9a.9b-10; 1 Kor 1,26-31; Mt 5,1-12a

„Die Seligpreisungen sind ein neues Lebensprogramm, um sich von den falschen Werten der Welt zu befreien und für die wahren Güter in Gegenwart und Zukunft zu öffnen. Wenn nämlich Gott tröstet, den Hunger nach Gerechtigkeit stillt und die Tränen der Trauernden trocknet, so bedeutet dies, daß er nicht nur einen jeden in spürbarer Weise belohnt, sondern das Himmelreich öffnet. Die Seligpreisungen sind Umsetzung von Kreuz und Auferstehung in die Jüngerexistenz. Sie spiegeln das Leben des Sohnes Gottes wider, der sich verfolgen und bis zur Verurteilung zum Tod verachten läßt, damit den Menschen das Heil geschenkt werde.“

BENEDIKT XVI., aus dem ANGELUS vom 30. Januar 2011

Liegen lassen, um nachzufolgen

Lesungen zum 3. Sonntag im Jahreskreis: Jes 8,23b - 9,3; Ps 27,1.4.13-14; 1 Kor 1,10-13.17; Mt 4,12-23

„Das Evangelium der heutigen Liturgie (Mt  4,12-23) berichtet von der Berufung der ersten Jünger, die am See Gennesaret alles liegen lassen, um Jesus zu folgen. Einige von ihnen waren ihm dank Johannes des Täufers bereits begegnet, und Gott hatte den Samen des Glaubens in sie hineingelegt (vgl. Joh 1,35-39). Und nun kehrt Jesus zurück, um sie dort zu suchen, wo sie leben und arbeiten. Der Herr sucht uns immer, der Herr kommt immer in unsere Nähe, immer. …

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Wir müssen lernen, zur Seite zu treten

Wir müssen lernen, zur Seite zu treten

Lesungen vom 2. Sonntag im Jahreskreis: Jes 49,3.5-6; Ps 40,2 u. 4ab.7-8.9-10; 1 Kor 1,1-3; Joh 1,29-34

„Das Evangelium der heutigen Liturgie enthalt das Zeugnis, das Johannes der Täufer über Jesus ablegt, nachdem er ihn im Jordan getauft hat. Es lautet: »Er ist es, von dem ich gesagt habe: nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war«.

Johannes, der seinen Auftrag erfüllt hat, weiß, wie man zur Seite tritt. Er zieht sich zurück, um Platz für Jesus zu machen. Er hat gesehen, wie der Geist auf ihn herabkam er hat auf ihn als das Lamm Gottes hingewiesen, das die Sünde der Welt hinwegnimmt, und nun hört er seinerseits demütig zu. Vom Propheten wird er zum Jünger. …

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Was bedeutet denn eigentlich getauft sein für mich?

Lesungen zum Fest der Taufe des Herrn: Jes 42,5a.1-4.6-7; Ps 29,1-2.3ac-4.3b.9b-10; Apg 10,34-38; Mt 3,13-17

Taufe Jesu, Gemälde im Petersdom

"Der Sinn des Kirchenjahres überhaupt ist gar kein anderer, als uns immer wieder neu aus unserer Vergesslichkeit und dem Dunkel unseres Alltags heraus an diese Spuren Gottes heranzuführen, die einmal für immer in die Geschichte eingebrannt sind, damit unser Herz wieder aufgeht damit wir sie sehen und davon Wegweisung empfangen. Wenn die beiden ersten Feste - Weihnachten und Epiphanie - hauptsächlich diesem Sehend-Werden, dem Aufgehen von Auge und Herz dienen, so führt das heutige Fest der Taufe Jesu hinein in den Alltag des Jahres. Denn durch die Taufe Jesu hat Jesus sich ja uns verbunden, sie ist gleichsam die Brücke, die er zwischen sich und uns gebaut hat, der Weg, auf dem er uns zugänglich wird.

So erinnert die Taufe Jesu vor allen Dingen an unsere eigene Taufe und fragt uns was in unserem Leben mit diesem herein treten Gottes in meine persönliche Existenz geworden ist fragt uns, was bedeutet denn eigentlich mein getauft sein für mich?"

Joseph Ratzinger