"Man darf nicht einfach aufgeben, das Evangelium zu verkündigen." Benedikt XVI.

Die Stimme des guten Hirten

Lesungen vom 4. Ostersonntag: Apg 2,14a.36-41; Ps 23,1-3.4.5.6; 1 Petr 2,20b-25; Joh 10,1-10

„Der vierte Sonntag der Osterzeit, den wir heute feiern, ist Jesus, dem Guten Hirten, gewidmet. Das Evangelium sagt: »Die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen« (Joh 10,3).

Der Herr ruft uns beim Namen, er ruft uns, weil er uns liebt. Aber das Evangelium sagt auch, dass es noch andere Stimmen gibt, denen man nicht folgen sollte: die Stimme von Fremden, Dieben und Räubern, die den Schafen Böses wollen. Diese verschiedenen Stimmen erklingen in uns. Es gibt die Stimme Gottes, die freundlich zum Gewissen spricht, und es gibt die verführerische Stimme, die zum Bösen verführt. Wie können wir die Stimme des guten Hirten und die des Räubers erkennen?

Wie können wir die Inspiration Gottes von der Suggestion des Bösen unterscheiden? Man kann lernen, diese beiden Stimmen zu unterscheiden, denn sie sprechen zwei verschiedene Sprachen, das heißt sie haben entgegengesetzte Arten, an unser Herz zu klopfen. Sie sprechen verschiedene Sprachen. So wie wir eine Sprache von einer anderen zu unterscheiden wissen, können wir auch die Stimme Gottes und die Stimme des Bösen unterscheiden.

Die Stimme Gottes übt keinen Zwang aus: Gott bietet sich an, er drängt sich nicht auf. Stattdessen verführt, bestürmt, zwingt die böse Stimme: Sie erweckt schillernde Illusionen, verlockende Emotionen, die aber vergänglich sind. Am Anfang schmeichelt sie, sie lässt uns glauben, dass wir allmächtig sind, aber dann lässt sie uns innerlich leer zurück und beschuldigt uns: »Du bist nichts wert.« Die Stimme Gottes hingegen korrigiert uns mit viel Geduld, doch sie ermutigt uns dabei immer, sie tröstet uns: stets nährt sie die Hoffnung. Die Stimme Gottes ist eine Stimme, die einen Horizont hat, die Stimme des Bösen dagegen bringt dich vor eine Wand, sie drängt dich in die Ecke. Ein weiterer Unterschied. …“

PAPST FRANZISKUS, aus dem REGINA CAELI, Sonntag, 3. Mai 2020