„Aber es ist wesentlich...daß wir uns von Jesus führen lassen, weil er den Weg nicht nur kennt, sondern der Weg ist.“ Benedikt XVI

Wir müssen lernen, zur Seite zu treten

Wir müssen lernen, zur Seite zu treten

Lesungen vom 2. Sonntag im Jahreskreis: Jes 49,3.5-6; Ps 40,2 u. 4ab.7-8.9-10; 1 Kor 1,1-3; Joh 1,29-34

„Das Evangelium der heutigen Liturgie enthalt das Zeugnis, das Johannes der Täufer über Jesus ablegt, nachdem er ihn im Jordan getauft hat. Es lautet: »Er ist es, von dem ich gesagt habe: nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war«.

Johannes, der seinen Auftrag erfüllt hat, weiß, wie man zur Seite tritt. Er zieht sich zurück, um Platz für Jesus zu machen. Er hat gesehen, wie der Geist auf ihn herabkam er hat auf ihn als das Lamm Gottes hingewiesen, das die Sünde der Welt hinwegnimmt, und nun hört er seinerseits demütig zu. Vom Propheten wird er zum Jünger. …

Mit diesem Geist des Dienens, mit seiner Fähigkeit, Platz für Jesus zu schaffen, lehrt uns Johannes der Täufer etwas Wichtiges: die Freiheit von Anhänglichkeiten. Ja, denn es ist leicht, an Rollen und Positionen zu hängen, am Bedürfnis, geschätzt, anerkannt und belohnt zu werden. Das ist zwar natürlich, aber nicht gut, denn Dienen bedeutet Unentgeltlichkeit, Fürsorge für andere ohne eigenen Nutzen, ohne Hintergedanken, ohne Erwartung einer Gegenleistung. Es wird auch uns gut tun, wie Johannes die Tugend zu pflegen, zu gegebener Zeit zur Seite zu treten und zu bezeugen, dass Jesus der Bezugspunkt im Leben ist. Zur Seite treten, lernen, Abschied zu nehmen: Ich habe diesen Auftrag erledigt, ich bin diesem Menschen begegnet, ich trete zur Seite und mache Platz für den Herrn. Wir müssen lernen, zur Seite zu treten und nicht etwas als Gegenleistung für uns anzunehmen.“

PAPST FRANZISKUS aus dem ANGELUS Sonntag, 15. Januar 2023