"Glauben bedeutet, sich im Dunkeln an das erinnern, was man im Licht gesehen hat." Kardinal Meisner
Lesungen zum 4. Fastensonntag: 1 Sam 16,1b.6-7.10-13b;Ps 23,1-3.4.5.6;Eph 5,8-14;Joh 9,1-41
„Dem geheilten Blinden offenbart Jesus, daß er in die Welt gekommen sei, um zu richten, um die heilbaren Blinden von denen zu scheiden, die sich nicht heilen lassen, weil sie meinen, gesund zu sein. Stark ist nämlich im Menschen die Versuchung, sich ein System ideologischer Sicherheit zu bauen: auch die Religion kann zum Element dieses Systems werden, wie auch der Atheismus oder der Laizismus. Wenn man so handelt, bleibt man allerdings vom eigenen Egoismus verblendet. Liebe Brüder und Schwestern, lassen wir uns von Christus heilen, der uns das Licht Gottes schenken kann und will! Bekennen wir unsere Verblendung, unsere Kurzsichtigkeit und vor allem das, was die Bibel die »schwere Schuld« nennt (vgl. Ps 19,14): unseren Stolz.“
Lesungen zum 3. Fastensonntag: Ex 17,3-7;Ps 95,1-2.6-7c.7d-9;Röm 5,1-2.5-8;Joh 4,5-42

"All dies geht aus von der wirklichen und spürbaren Erfahrung des Durstes. Das Thema des Durstes durchzieht das ganze Johannesevangelium: angefangen bei der Begegnung mit der Samariterin bis hin zur großen Prophezeiung während des Laubhüttenfestes und zum Kreuz, als Jesus vor seinem Tod sagte, damit sich die Schrift erfüllte: »Mich dürstet«. Der Durst Christi ist eine Eingangspforte zum Geheimnis Gottes, der zum Dürstenden geworden ist, um unseren Durst zu löschen, so wie er arm geworden ist, um uns reich zu machen. Ja, Gott dürstet nach unserem Glauben und nach unserer Liebe. Wie ein guter und barmherziger Vater wünscht er für uns alles erdenkliche Gut, und dieses Gut ist er selbst. Die Frau aus Samarien hingegen stellt die existentielle Unzufriedenheit dessen dar, der nicht gefunden hat, was er sucht: Sie hat »fünf Männer« gehabt, und jetzt lebt sie mit einem anderen Mann zusammen. Ihr Kommen und Gehen zum Brunnen, um Wasser zu schöpfen, bringt ein immer gleiches und resigniertes Leben zum Ausdruck. Alles aber ändert sich für sie an jenem Tag durch das Gespräch mit Jesus, dem Herrn. Es erschütterte sie so sehr, dass sie sich veranlasst sah, den Wasserkrug stehenzulassen, in den Ort zu eilen und den Leuten zu sagen: »Kommt her, seht, da ist ein Mann, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe: Ist er vielleicht der Messias?«."
Lesungen zum zweiten Fastensonntag Gen 12,1-4a;Ps 33,4-5.18-20 u. 22;2 Tim 1,8b-10;Mt 17,1-9

Raffaello Santi Verklärung Christi (Ausschnitt)
„Das Evangelium von der Verklärung des Herrn stellt uns die Herrlichkeit Christi vor Augen, die die Auferstehung vorwegnimmt und die Vergöttlichung des Menschen ankündigt. Die Gemeinschaft der Christen erkennt, dass sie wie die Apostel Petrus, Jakobus und Johannes „beiseite […] auf einen hohen Berg“ (Mt 17,1) geführt wird, um in Christus, als Söhne im Sohn, wieder das Geschenk der göttlichen Gnade zu empfangen: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören.“ (V. 5). Es ist eine Einladung, vom Lärm des Alltags Abstand zu nehmen, um in die Gegenwart Gottes einzutauchen: Er möchte uns tagtäglich ein Wort zukommen lassen, das tief in unseren Geist eindringt, wo es Gut und Böse unterscheidet (vgl. Hebr 4,12), und das den Willen stärkt, dem Herrn nachzufolgen.“
Lesungen vom 1. Fastensonntag: Gen 2,7-9;3,1-7; Ps 51,3-4.5-6b.12-14.17; Röm 5,12-19; Mt 4,1-11
„Was aber bedeutet: »in die Fastenzeit eintreten?« Es bedeutet, eine Zeit besonderer Anstrengung im geistlichen Kampf zu beginnen, wodurch wir dem Bösen entgegentreten, das in der Welt gegenwärtig ist, in einem jeden einzelnen von uns und in unserer Umgebung. Es bedeutet, dem Bösen ins Gesicht zu blicken und sich dafür zu entscheiden, gegen seine Wirkungen zu kämpfen, vor allem gegen seine Ursachen, bis hin zur letzten Ursache, die der Satan ist. Es bedeutet, das Problem des Bösen nicht auf die anderen abzuladen, auf die Gesellschaft oder auf Gott, sondern die eigene Verantwortung anzuerkennen und sie bewußt auf sich zu nehmen.“
Lesungen vom 6. Sonntag im Jahreskreis: Sir 15,15-20; Ps 119,1-2.4-5.17-18.33-34; 1 Kor 2,6-10; Mt 5,17-37
„Im Evangelium der heutigen Liturgie sagt Jesus: »Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben! Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen« (Mt 5,17). Erfüllen: das ist ein Schlüsselwort, um Jesus und seine Botschaft zu verstehen. … Die Botschaft ist klar: Gott liebt uns als Erster, unentgeltlich, und macht den ersten Schritt auf uns zu, ohne dass wir es verdient hätten; und folglich können wir seine Liebe nicht feiern, ohne unsererseits den ersten Schritt zur Versöhnung mit denen zu tun, die uns verletzt haben. So gibt es in den Augen Gottes Erfüllung, sonst ist die äußere, rein rituelle Einhaltung nutzlos, sie wird zur Verstellung. Mit anderen Worten: Jesus gibt uns zu verstehen, dass die religiösen Vorschriften dienen, dass sie nützlich und gut sind, dass sie allerdings nur der Anfang sind: Zu ihrer Erfüllung muss man über den Buchstaben hinausgehen und ihren Sinn leben. Die Gebote, die Gott uns gegeben hat, dürfen nicht in den erstickenden Tresoren der formalen Observanz eingeschlossen werden, sonst bleiben wir in einer äußeren und losgelösten Religiosität stecken, eher Diener eines »Gottes, der Meister ist« als Kinder Gottes des Vaters. Jesus will, dass wir nicht die Vorstellung hegen, einem herrischen Gott zu dienen, sondern dem Vater; und zu diesem Zweck ist es notwendig, über den bloßen Buchstaben hinauszugehen.“