"Man darf nicht einfach aufgeben, das Evangelium zu verkündigen." Benedikt XVI.

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Gott und den Nächsten lieben

Lesungen vo 30. Sonntag im Jahreskreis: Ex 22,20-26;Ps 18,2-3.4 u. 47.51 u. 50;1 Thess 1,5c-10;Mt 22,34-40

"Gott und den Nächsten lieben, das bedeutet, dass wir uns immer zu Gott hin bekehren und uns damit zur Wahrheit des Menschseins bekehren und den Menschen mit Gott lieben lernen. Das ist das, was uns heute Paulus in der Lesung sagt: ihr habt euch von den Götzen zum lebendigen Gott hin bekehrt, und ihr lernt Jesus Christus zu erwarten. Die Götzen gibt es auch heute. Das ist der Besitz, das Geld, die Macht, das Angesehensein, eine Stellung haben, der Erfolg, der Genuss, das Vergnügen. Das sind die Mächte, die uns förmlich tyrannisieren. Von ihnen weg müssen wir uns immer neu zum lebendigen Gott hin bekehren, sein Angesicht suchen, dann werden wir frei und rein, dann ereignet sich mit der Wahrheit Liebe unter uns."

Joseph Ratzinger, JRGS 14/2

"Der HERR ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen." Ps 23

Lesungen des 28. Sonntag im Jahreskreis:  Jes 25,6-10a;Ps 23,1-3.4.5.6;Phil 4,12-14.19-20;Mt 22,1-14

„Gott ist der Hirt der Menschen. Wir gehören Ihm. Aber da ist niemand an den Er uns mit Vorteil verkaufen kann. Sein „Vorteil“ ist nichts anderes als unser „Wohl“. Er ist Ursprung und Quelle unseres Seins. Ihn zum Hirten haben heißt, ins eigene Sein und Wesen kommen, nicht mehr irgendeinem fremden Zweck unterworfen werden.“

Robert Spaemann (Meditationen eines Christen)

Sorgt euch um nichts

Lesungen vom Sonntag: Jes 5,1-7;Ps 80,9 u. 12.13-14.15-16;Phil 4,6-9;Mt 21,33-44

„Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott“ (Phil 4, 6)

„Er (der Apostel Paulus) will uns ermutigen, Gott zu trauen, vertrauende Menschen inmitten der Ungewissheit der Bedrängnisse der Schrecklichkeiten dieser Welt zu sein. … Glaube ist Vertrauen, nur Glaube macht so die Welt lebenswert und lebensfähig. Aber die Weise, wie wir dieses Vertrauen leben, die ist das Gebet. Deswegen ruft uns Paulus dazu auf. Im Gebet treten wir gleichsam auf die Brücke dieses Vertrauens. Im Gebet greifen wir nach der Hand Gottes aus und lassen uns von ihm an der Hand nehmen, um so die Gewissheit zu haben, die wir uns nicht allein geben können. Gewiss, es werden nicht alle unsere Gebete so erhört, wie wir es uns ausdenken. Und doch bleibt keines unerhört; denn auch wenn Gott es anders macht, als wir es uns wünschen, ist er gut und erhört uns zum Besseren.“

Joseph Ratzinger, Predigt 1981 JRGS 14, 2

Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege - Spruch des HERRN

Lesungen: Jes 55,6-9;Ps 145,2-3.8-9.17-18;Phil 1,20ad-24.27a;Mt 20,1-16

„Freigeben loslassen - dies geht auch uns an ist und es ist unser Auftrag, den immer größeren Gott anzunehmen, der anders ist als wir ihn uns wünschen. ‚Gottes Gedanken sind nicht unsere Gedanken und Gottes Wege nicht unsere Wege‘. Dieses ‚anders‘ Gottes zu ertragen, ist nicht nur zu ertragen, sondern Ja zu sagen zu Ihm, von Ihm uns führen zu lassen, wohin wir nicht wollen, Gott die Freiheit zu lassen, er selbst zu sein und besser zu wissen, was uns gut ist als wir selber, das ist der eigentliche Kreuzweg unseres Lebens, oft kaum zu ertragen, wenn seine Führungen ein Warum in uns wachrufen, das keine Antwort finden will. Und doch gerade indem wir dieses Warum ertragen, indem wir uns führen lassen, wohin wir nicht wollen und wo wir zunächst keinen Sinn sehen, gerade darin geschieht es, dass er uns aus unseren Wegen und unsere Gedanken heraus führt in seine Gedanken und in seine Wege und so in die Wahrheit in die wirkliche Fülle hinein“

Joseph Ratzinger, aus einer Predigt vom 07. Juli 1984 (JRGS 14/2)

So leben wir dem Herrn

„Aber da tritt nun doch ein Satz auf, der uns reizt, wenn Paulus schreibt und das Vorige auslegend sagt: „Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir so sterben wir den Herrn“ Es ist nicht einfach von den andern, sondern vom Herrn die Rede. Aber dieser Herr ist ja nicht irgendein Herrscher er heißt Herr deswegen, weil er die Wahrheit und die Güte selbst ist. Seine Herrschaft bedeutet, dass es die Konstanten der Wahrheit des Guten gibt, und erst auf ihn hin, auf dieses hin zu leben, macht uns wahrhaft frei, gibt uns Würde und führt uns auch zueinander und trägt uns im Miteinander.“

Joseph Ratzinger (aus einer Predigt vom 3.11.1977, JRGS 14/3)