"Wenn Sie in die Welt hineinschauen, sehen Sie keinen Himmel, aber Sie sehen überall die Spuren Gottes." Benedikt XVI.

Der TAG DES HERRN als E-Paper - Jetzt entdecken!

Wir können im Moment alle nicht so richtig glauben, ...

Brief von Pfarrer Scholz an die Gemeinden der Pfarrer St. Barbara (hier auch als pdf)

Liebe Pfarrgemeinde von St. Barbara, Liebe Schwestern und Brüder in den Ortsgemeinden Riesa, Großenhain, Wermsdorf, Mügeln, Oschatz und Gröditz

Wir können im Moment alle nicht so richtig glauben, was wir derzeit erleben. Viele Menschen weltweit erkranken an einer Lungenkrankheit, die den Namen COVID-19 trägt und wir können nichts weiter dagegen tun außer abwarten, beten und hoffen.

Wir müssen die Erfahrung machen, dass wir eben nicht alles können und wir als Menschen manchmal schnell am Ende mit unserem Latein sind. Von einem Tag auf den anderen verändert sich unser Leben und wir können dies irgendwie nicht aufhalten. So etwas haben viele von uns noch nie erlebt, dass wir auf einmal keine Gottesdienste mehr feiern und auch keine Gemeindeveranstaltungen mehr abhalten dürfen.

Da schlägt die Stunde der globalen Weltuntergangspropheten und derjenigen, die mit Panikmache und gezielten Fehlinformationen andere Menschen beunruhigen und sogar auch noch Kapital daraus schlagen wollen. Aber auch in unseren eigenen Reihen gibt es leider Menschen, die darin gleich den Abfall vom Glauben und den Zerfall unserer Kirche sehen. Es geht hierbei nicht um ein Endzeitszenario, auch nicht um Glaubensabfall, sondern um Verantwortung und Vernunft.

Wir Christen haben jetzt nicht die Aufgabe uns auf öffentliche Plätze zu stellen und von der Apokalypse zu predigen, sondern wir sollten Gelassenheit, Freundlichkeit und Hoffnung leben. Unser Umfeld sollte erkennen, dass wir uns nicht so leicht beunruhigen lassen, sondern versuchen wir gelassen und ruhig zu bleiben, trotz der beängstigenden Meldungen. Gerade wir Christen sollten Hoffnung versprühen und jeglicher Weltuntergangsstimmung den Kampf ansagen.

Natürlich haben wir auch Ängste und Sorgen, weil wir leider nicht wissen, wohin letztlich die Reise geht. Und offen gesagt, mir geht es da nicht viel anders, aber zeigen wir den Menschen durch unser Leben, dass wir eine Hoffnung haben, die sich nicht an den Dingen dieser Welt orientiert, sondern an unserem Herrn, der uns niemals alleine lässt. Wir haben seine Zusage: „Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ Mt 28,20

Liebe Schwestern und Brüder, ich bin fest davon überzeugt, dass wir in dieser doch schwierigen Zeit unser Menschsein wieder neu begreifen werden. Wir werden feststellen, dass wir zum Leben eben nicht alles brauchen, was wir die ganze Zeit für unverzichtbar gehalten haben. Wir werden erneut feststellen, dass zum Menschsein mehr gehört als: „Mein Boot, mein Haus, mein Auto, mein Pferd……“

Uns wird auf drastische Weise vor Augen gehalten, dass wir eben nicht alles im Griff haben und das es letztlich nur eine Sicherheit gibt, nämlich GOTT. Denn er ist das Alpha und das Omega, er gibt uns Richtung und Halt auch in Zeiten von COVID-19. Aus dieser Gewissheit heraus können wir wiederum unseren Mitmenschen Hoffnung und Halt geben.

Versuchen wir gerade durch unser „normales“ Verhalten, den Menschen aus unserem Umfeld, GOTT den Herrn erfahrbar zu machen, der den Menschen auch in Krisensituation beistehen möchte. Vermitteln wir nicht Angst und Hoffnungslosigkeit durch irgendwelche Geschichten aus der Apokalypse, sondern versuchen wir mit Verantwortung und Rücksicht, aber auch mit einem großen Stück Humor, diese Zeit des Wartens und der Geduld im Namen Gottes gut zu meistern. Vielleicht tritt ja auch so etwas dabei ein, was mir kürzlich jemand über WhatsApp schickte: „Da ein Soldat an Corona erkrankt ist, werden bis auf weiteres alle Kriege abgesagt.“

Ich wünsche Ihnen allen, auch im Namen von Herrn Matthias Demmich (GRf.) und Herrn Pfarrer Andreas Eckert, Gottes Segen und vor allem Gesundheit!

Im Gebet mit Ihnen verbunden Ihr Pfarrer Markus Scholz

P.S.: Kleiner Hinweis (von Kölns Weihbischof Ansgar Puff) zum hygienischen Händewaschen: damit man die notwendige Dauer einhält, sollte man dabei ein Vaterunser für die Betroffenen und die Menschen, die den Kranken beistehen, beten.