Bekennt euch zu ihm vor allen Völkern, ihr Kinder Israels; denn er selbst hat uns unter die Völker zerstreut. Tob 13, 3

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Wie geht es Ihnen in der Woche drei der sogenannten Pandemie?

Liebe Pfarrgemeinde von St. Barbara, Liebe Schwestern und Brüder in den Ortsgemeinden Riesa, Großenhain, Wermsdorf, Mügeln, Oschatz und Gröditz (Schreiben hier als pdf)

Wie geht es Ihnen in der Woche drei der sogenannten Pandemie? Geht es Ihnen vielleicht wie mir und Sie haben genauso langsam die Nase voll von den ständigen Meldungen über Corona? Manchmal haben wir so den Eindruck, als wenn sich die Medien gegenseitig in den Katastrophenmeldungen übertreffen wollen, ein Extra oder Spezial jagt das andere.

Die Bilder, die bei uns über den Bildschirm flimmern, sind mehr als beängstigend, keine Frage. Aber könnte man es nicht bei einer Unterrichtung über die konkreten Zahlen belassen und wenn es wichtige Meldungen der Kommune, des Landes oder Bundesregierung gibt, dann einfach nur schnörkellos übermitteln?

Da wird ein Virologe nach dem anderen befragt und jeder hat eine andere Ansicht zur Lage der Nation. Das macht einen doch langsam verrückt, oder? Dann laufen ständig irgendwelche Danke - Spots über die Bildschirme, die langsam etwas nerven. Bitte verstehen Sie mich jetzt nicht falsch, ich bin weder neidisch noch möchte ich den Menschen, die in dieser Zeit der Pandemie mit einem hohen Einsatz arbeiten nicht danken, aber ich finde es klingt doch ein bisschen wie Heuchelei.

Denn drei Wochen vorher hat sich kaum jemand und es wird sich wahrscheinlich auch nach der Pandemie kaum ein Mensch mehr für die Ärzte, Krankenpfleger und Pflegerinnen, Kassiererinnen und Kassierer oder überhaupt für die vielen die im Hintergrund tagtäglich ihre Arbeit machen je wirklich interessieren. Wer hat den vorher mal zu einem Arzt, einer Krankenschwester oder zur Frau oder dem Herrn an der Kasse einfach mal danke gesagt? Sie etwa nicht? Dann wird es aber allerhöchste Zeit!

Außerdem machte es mir etwas Sorgen und Ihnen vielleicht auch, dass wir Menschen, ohne permanente Freizeitgestaltung von außen, oft nichts mehr mit uns und unserer Freizeit anzufangen wissen. Der Anstieg von häuslicher Gewalt ist mittlerweile genauso beängstigend, wie die Pandemie selbst.

Mir macht es auch etwas Sorge, dass wir zu vielen Dingen wie Verantwortung, Zurückhaltung, Gelassenheit und Solidarität immer und immer wieder aufgerufen werden müssen. So scheint es jedenfalls! Sind wir etwa von uns aus nicht mehr so richtig in der Lage, diese Werte von allein zu pflegen?

Wir haben vieles in unserer Gesellschaft einfach für selbstverständlich angenommen, was es eigentlich nie war und auch nie sein wird. Wir sollten uns bewusst machen, dass wir eben nur Menschen sind und nicht der liebe Gott. Dass wir vieles auch immer wieder einüben müssen und nicht denken, wir haben alles mit der Geburt an mitbekommen. Ich würde mir wünschen, dass wir zu Normalität, zum richtigen Maß, diesbezüglich zurückkehren und uns klar werden, dass wir oft nur über viele Dinge gern reden, aber um dessen Umsetzung in der Praxis, wir uns jeden Tag neu bemühen müssen.

Auch wenn immer wieder die Werte des täglichen Zusammenlebens und der Gemeinschaft gebetsmühlenartig in der Öffentlichkeit intensiv betont werden, heißt das noch lange nicht, dass wir das auch in die Praxis umsetzten. Woran ich das festmache? Ganz einfach daran, dass ich immer noch kein Toilettenpapier zu kaufen bekomme. Es müsste doch nun so langsam jeder genügend zu Hause haben.

Oder anderes Beispiel, es gibt immer noch Menschen, die glauben ernsthaft, dass alles wäre nur ein Scherz und ignorieren weiter alle Warnungen und Empfehlungen der Behörden. Immer wieder hören wir solche Aussagen, wie: „Das ist doch alles etwas übertrieben!“ Da gefriert mir ehrlich gesagt etwas das Blut in den Adern, angesichts der Zahlen und Bilder, die über den heimischen Fernseher flimmern. Es gibt aber auch wirklich Erfreuliches! Zum Beispiel, dass die Nachbarschaftshilfe sehr gut funktioniert und das sich viele von uns an die Empfehlungen der Kommunen, des Landes und des Bundes halten, dass macht uns allen Mut und Hoffnung!

Liebe Schwestern und Brüder, die Karwoche steht bevor und es wird eine merkwürdige Woche werden, weil eigentlich nichts mehr so richtig gefeiert werden kann. Alles ist in diesem Jahr anders und vieles wird auch von uns selbst abhängen, wie wir damit in angemessener Weise umgehen. Kein richtiger Palmsonntag, keine öffentliche Hl. Messe zur Weihe der heiligen Öle (Chrisam, Katechumenen- und Krankenöl) am Montag, kein Gründonnerstag, kein Karfreitag.

Dabei sind wir noch vor drei Wochen davon ausgegangen, es wird wie immer und haben vielleicht auch etwas gestöhnt, dass wir so oft in die Kirche müssten.
Und……jetzt dürfen wir nicht! Wer hätte das gedacht? Vielleicht lernen wir daraus, uns vorher nicht immer schon so verrückt zu machen. Und vielleicht werden wir dann im nächsten Jahr etwas dankbarer und voller Freude den Kar- und Ostertagen entgegensehen, weil wir sie dann wieder in gewohnter Weise feiern dürfen. Hoffentlich!

Hoffnung ist das richtige Stichwort! Auch wenn uns das Hoffen in diesen Tagen nicht immer leichtfällt, weil die Katastrophenmeldungen einfach nicht abreißen wollen. Oder in unseren Familien manchmal auch die Nerven etwas blank liegen und wir vielleicht auch Sorgen um unsere Angehörigen haben, weil sie in den Seniorenheimen oder in ihren Wohnungen allein und ohne Kontakt zu ihren Angehörigen sind. Sie in einem Krankenhaus liegen und wir nicht genau wissen, ob es ihnen wirklich gut geht. Denn nicht immer sind Telefonate möglich oder ist Internet und Fernsehen vorhanden. Das wäre jetzt die große Stunde von uns Christen, indem wir Hoffnung geben.

Denn wir haben eine ganz große und unerschütterliche Hoffnung, auch wenn sie in uns manchmal etwas verborgen ist. Die Hoffnung, dass der Herr auch uns in dieser Zeit nicht alleine lässt. Eine Hoffnung, die mit allen Menschen, ob jung oder alt, gesund oder krank geteilt werden möchte. Eine Hoffnung, die wir nicht verordnen können, die nur aus einem Glauben an den Auferstandenen gespeist werden kann, der uns versprochen hat: “Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt!“ Mt 28,20.
Liebe Schwestern und Brüder, diese Hoffnung ist die Quelle unseres Humors, der, so hoffe ich, noch nicht verloren gegangen ist (siehe pdf):

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen, auch im Namen unseres  Gemeindereferenten Herrn Matthias Demmich und Herrn Pfarrer Andreas Eckert, Gottes Segen und vor allem Gesundheit!

Im Gebet mit Ihnen verbunden Ihr Pfarrer Markus Scholz