„Wir glauben nicht an Gott, weil wir ihn brauchen, sondern weil er uns liebt“, Kardinal Gerhard Ludwig Müller

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Und wieder eine Woche der Pandemie fast überstanden!

Liebe Pfarrgemeinde von St. Barbara, Liebe Schwestern und Brüder in den Ortsgemeinden Riesa, Großenhain, Wermsdorf, Mügeln, Oschatz und Gröditz (Schreiben hier als pdf)

Und wieder eine Woche der Pandemie fast überstanden! Und ich hoffe sehr, niemand von Ihnen oder einer von Ihren Angehörigen sind wegen Corona im Krankenhaus! Vielleicht geht es Ihnen ja ähnlich wie mir und Sie gewöhnen sich so langsam an die ständigen Meldungen von immer höher werdenden Erkrankungen und ein Ende scheint leider nicht absehbar! Doch diese schrecklichen Zahlen von Erkrankungen und Sterbefällen sind aber nicht einfach nur Zahlen.

Nein, dahinter verbergen sich eine Vielzahl einzelner menschlicher Schicksale, die alles andere auf dem Schirm hatten, nur nicht, wegen eines Virus aus dem Alltag oder gar aus dem Leben herausgerissen zu werden. Da klingen Aussagen wie: dass es hauptsächlich „nur“ ältere Menschen betrifft oder dass ja „nur“ Risikogruppen besonders gefährdet wären, schon ziemlich bedenklich. Das hört sich zum einen manchmal eher so ähnlich an, wie: „Naja auf die könnten wir eh notfalls verzichten!“ Und zum anderen: „Wir jungen und gesunden Menschen brauchen uns da ja nicht an die verschiedenen Verhaltensregeln während Pandemie zu halten, uns betrifft es eigentlich nicht.“

Eine sehr gefährliche Denkweise, wie ich finde. Ich gebe zu, dadurch das ich selbst zu solch einer sogenannten Risiko-Gruppe zähle, bin ich wahrscheinlich auch so empfindlich geworden, so dass mich dies auch ziemlich beschäftigt. Aber nicht nur das! Eine weitere Diskussion, die über unsere Medien fast täglich läuft, beschäftigt mich auch: Wann wir uns nun endlich wieder in den Armen liegen dürfen? Ich finde, das ist wie Russisch Roulette, denn wir wissen ja noch nicht einmal, wann der Höhepunkt erreicht ist und sprechen jetzt bereits schon über das danach. Natürlich kann man verstehen, dass wir nach drei Wochen so langsam die Geduld verlieren, aber trotzdem finde ich die Diskussion für viel zu früh.

Diese gut nachvollziehbare Ungeduld darf nicht auf Kosten der Schwachen unserer Gesellschaft gehen und auch nicht auf menschliches Leben generell. Wenn wirtschaftliche Fragen immer mehr in den Vordergrund rücken, was durchaus auch zu verstehen ist, Leben mit Wirtschaftlichkeit abgewogen wird, haben wir wahrscheinlich dennoch als Gesellschaft versagt.

Wenn wir nicht mehr in der Lage sind, nach den Wertevorstellungen zu handeln, menschliches Leben zu schützen, koste es, was es wolle, sind wir nicht mehr ganz ehrlich mit- und zueinander. Dann sind unsere gutgemeinten Solidaritätsbekundungen nur halbherzig und wenig glaubwürdig, vor allem für die betroffenen Menschen. Wir sollten in Zukunft genauer hinhören und zwischen den Zeilen lesen, dann erkennen wir relativ schnell, dass vieles wie ein Wolf im Schafspelz daherkommt und ehe wir das recht bemerken, haben sich unsere Wertevorstellungen bereits verändert.

Liebe Schwestern und Brüder, ich möchte keine Schwarzmalerei betreiben und auch nicht mit unserer Gesellschaft ins Gericht gehen. Aber wir sollten doch etwas sensibler werden und wachsam bleiben, wie wir so manche Diskussion in der Öffentlichkeit führen, denn oft verbergen sich ganz andere Motive dahinter, als wie es nach außen hin wirken mag. Bleiben wir wachsam, versuchen wir es wenigstens! Es wird uns leider nicht immer gelingen, weil wir oft zu müde geworden sind, um in dem Lärm unserer Zeit durchzuhalten. Wie die Jünger damals im Garten von Gethsemane auch zu müde waren und das drohende Unheil in Form der Abgesandten der Pharisäer nicht kommen sahen und völlig von den Ereignissen am Abend vor der Kreuzigung Jesu überrascht wurden.

Liebe Schwestern und Brüder, die kommenden drei hohen Tage: Gründonnerstag, Karfreitag und der Ostersonntag können uns dieses Jahr in besonderer Weise dazu veranlassen, wirklich einmal in uns hineinzuhören. Woran hängt unser Herz wirklich? An dem Guten im Menschen oder an einem guten Leben? Was fühlen wir eigentlich bei dem Gedanken, dass wir dieses Jahr nicht gemeinsam die drei hohen Tage feiern dürfen? Sehnsucht oder Gleichgültigkeit? Hoffnung oder Resignation?
Ich glaube, alles hat in uns einen gewissen Raum, aber wir sollten wachsam bleiben, dass auch alles in der Waage bleibt. Denn die sogenannte goldene Mitte wird uns gut durch diese Zeit bringen.

Eine Mitte, die für uns der Herr in der Eucharistie ist, die er selbst am Vorabend seiner Kreuzigung für uns eingesetzt hat. Auch wenn wir dieses Jahr, die Einsetzung dieses Sakramentes am Gründonnerstag, nicht gemeinsam feiern dürfen. So bitte ich Sie dennoch um 19.00 Uhr mit uns in Gedanken und im Gebet verbunden zu bleiben, wenn wir diese nur zu zweit in der Kirche feiern.

Eine Stunde, des Schweigens und des Gebetes in Ihren Familien und in der Verbundenheit mit uns hier in der Kirche. Beten Sie ruhig auch einmal das Zweite Hochgebet aus dem Gotteslob Nr. 588, 4-8 mit, auch bitte die Einsetzungsworte. Das Sakrament der Eucharistie ist ein hohes Gut, was mir und Ihnen vielleicht auch, gerade in dieser Zeit mehr als deutlich geworden ist. Die Eucharistie als höchstes Gut, darf nicht nur vom möglichen Kommuniongang abhängig gemacht werden, sondern sollte besonders von unserer Sehnsucht geprägt sein, mit dem Herrn gerade in den nächsten Tagen besonders verbunden zu sein. In diesem Sinne bleiben Sie bitte gesund und wachsam.

Ihr Pfarrer Scholz, Pfarrer Andreas Eckert und Gemeindereferent Matthias Demmich.