"Wer glaubt, ist nie allein – im Leben nicht und auch im Sterben nicht." Benedikt XVI.

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Das Gebet ist immer angemessen - Gemeindebrief VIII

Liebe Pfarrgemeinde von St. Barbara, liebe Schwestern und Brüder in den Ortsgemeinden Riesa, Großenhain, Wermsdorf, Mügeln, Oschatz und Gröditz

Liebe Schwestern und Brüder,        (Schreiben hier als pdf)

ist es nicht wunderschön draußen? Der Mai ist einer der schönsten Monate des ganzen Jahres, alles blüht. Die Wiesen und Felder, die Obstbäume zeigen sich in den schönsten Farben. Alles um uns herum wird immer grüner. Die Vögel singen jeden Morgen, die Welt scheint völlig in Ordnung. Keine Sorge, ich habe nix genommen.

Aber es ist doch so! Wenn wir draußen in der freien Natur sind oder einfach nur aus dem Fenster schauen, scheint es so, als ob das Leben noch einmal alles geben würde.

Von Corona und der Gefahr, die von ihr ausgeht, keine Spur. Ja, aus diesem Grund fällt es uns gerade auch so schwer, dass alles über Corona wirklich zu glauben. Es scheint fast so, als wenn alles nur ein Gerücht wäre, das mit dem Virus und so. Nur leider sprechen die Zahlen eine andere Sprache! Die Gefahr ist nicht sichtbar und lauert faktisch an jeder Ecke. Nein, ich möchte Ihnen jetzt keine Angst machen, das machen schon andere genug. Aber dennoch ist unsere aufkommende Sorglosigkeit etwas zu verfrüht. Wir wissen einfach immer noch zu wenig über den Virus selbst und über die durch ihn ausgelösten Krankheitssymptome. Diese sind so unterschiedlich, dass es den Spezialisten kaum möglich ist, eine Corona-Infektion rechtzeitig zu erkennen.

Auch der sogenannte Schnelltest, der immer gern in der Öffentlichkeit gefordert wird, würde an dieser Stelle nicht wirklich etwas daran ändern.

Also eine zu große Sorglosigkeit in diesem Zusammenhang ist genauso unangebracht wie eine zu große Angst. Was mich, und Sie vielleicht auch, etwas verstört, sind die Meldungen über Demonstrationen gegen die Corona-Beschränkungen. Also, ich verstehe die Welt nicht mehr! Sind wir alle verrückt geworden?

Oder wie sollen wir die Ereignisse der vergangenen Tage verstehen? Niemand hat doch wirklich eine Ahnung davon, was jetzt eine angemessene Reaktion auf die Pandemie wäre. Mehr Lockerungen zum Beispiel oder gar wieder ein Zurück zu mehr Beschränkungen. Das einzige, was wirklich zu funktionieren scheint, ist so wenig Kontakt unter Menschen wie möglich. Was aber auf Dauer auch nicht geht, auch bei viel gutem Willen nicht. Doch was wäre jetzt nun angemessen? Ich weiß es ehrlich gesagt auch nicht, aber ich denke, Geduld und Zurückhaltung sind zu keiner Zeit falsch gewesen und sind auch jetzt in dieser Situation mit Sicherheit nicht verkehrt. Und-…auf jeden Fall: Beten!

Nein, ich bin nicht aus einer anderen Welt! Das Gebet ist immer angemessen, auch wenn wir modernen Menschen vielleicht nicht so unbedingt davon überzeugt sind. Das Gebet ist nicht immer einfach nur eine Bitte, ein Dank oder ein Wehklagen. Ein Gebet hat immer auch mehrere Aspekte, zum einen, wie bereits schon erwähnt, die Bitte oder den Dank selbst und zum anderen, dass wir dadurch gezwungen werden kurz inne zu halten, uns eine Auszeit zu gönnen. Dieser meditative Aspekt eines Gebetes ist nicht zu unterschätzen. Manchmal gestehen mir Menschen, sie würden beim Gebet einschlafen.

Darauf kann ich nur antworten: Wunderbar, Ziel erreicht!

Wenn wir durch ein Gebet solch einen inneren Frieden und eine innere Ruhe bekommen, dass wir dabei einschlafen, dann kann es Gott gelingen zu unseren Herzen vorzudringen.

Dann ist der Lärm des Alltags zum Erliegen gekommen, begeben wir uns schutzlos in die Hand Gottes. Denn wenn wir wirklich zur Ruhe gekommen sind, dann hören wir auf, unsere Herzen mit allerlei Fassaden zu zumauern, sind wir im wahrsten Sinne des Wortes dem Geist Gottes ausgeliefert.

Liebe Schwestern und Brüder, wir tun viel, keine Frage, aber ich denke mir manchmal, wir beten vielleicht doch zu wenig. Sicherlich haben wir da alle ganz unterschiedliche Ansichten zu diesem Thema und vielleicht haben wir auch nicht immer das Gefühl, dass es wirklich etwas hilft.

Aber, und da bleibe ich dabei, jedes Gebet hat definitiv auch eine meditative Komponente. Eine Komponente, die es Gott ermöglicht mit uns ganz persönlich in Verbindung treten zu können. Das Gebet ist keine Einbahnstraße, sondern eine Kommunikationsmöglichkeit für beide Seiten. Versuchen wir es; gerade in dieser Zeit von Corona das Gebet, als ganz persönliche Kommunikationsmöglichkeit mit Gott, wieder neu zu entdecken.

Gelegenheiten dazu gibt es genug, unsere Kirchen sind fast überall zum stillen Gebet geöffnet. Versuchen Sie es doch mal ganz entspannt in einer Kirche zu sitzen und vielleicht dabei sogar einzuschlafen.

In diesem Sinne, bleiben Sie gesund! Herzliche Grüße

Ihr Pfarrer Markus Scholz, Pfarrer Andreas Eckert, Gemeindereferent Matthias Demmich und Praktikant Michael Kreher