"Wer glaubt, ist nie allein – im Leben nicht und auch im Sterben nicht." Benedikt XVI.

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Es gibt tatsächlich eine heilige Corona - Gemeindebrief IX

Liebe Schwestern und Brüder in den Ortsgemeinden Riesa, Großenhain, Wermsdorf, Mügeln, Oschatz und Gröditz (Schreiben hier als pdf)

haben Sie es gewusst? Ja, bestimmt! Es gibt tatsächlich eine heilige Corona. Sie ist eine Märtyrin aus dem 2. oder 3. Jahrhundert n. Chr. Sie wird am 14. Mai verehrt. Die heilige Corona ist Schutzpatronin der Schatzgräber und Metzger. Schon mal sehr interessant, oder? Sie wird angerufen zum Schutz vor Seuchen und Unwetter, für Standhaftigkeit im Glauben.

Ich gebe zu, ich bin mit dieser Erkenntnis wahrscheinlich eh etwas spät dran. Sie haben bestimmt schon mal etwas über die heiligen Corona gehört, bisher vielleicht nicht so unbedingt, aber spätestens jetzt. Denn Corona ist in aller Munde. Oh, ein Wortspiel! Ich meine natürlich verbal. Keineswegs wollte ich mich jetzt darüber lustig machen. Das steht mir gar nicht zu und wäre auch taktlos. Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass Sie es mittlerweile auch nicht mehr hören können, das Wort Corona! Aber wenn wir so mit offenen Augen durchs Land gehen, dann merken wir schon, dass uns Corona bereits jetzt schon etwas verändert hat. Oder etwa doch nicht? Wenn es wirklich eine Zeit nach Corona geben sollte und nicht eine Zeit auf Dauer mit Corona, wie werden wir uns dann verhalten? Was ändert sich in unserem Leben dann wirklich?

Schon jetzt hat mir jemand von einem Phänomen erzählt, was mir kürzlich auch selbst schon aufgefallen ist. Nämlich, dass wenn uns jemand etwas zu nahe rückt, wir sofort versuchen einen Schritt zurückzugehen, um wieder Abstand zu gewinnen. Das tun wir nicht immer und auch nicht bewusst, aber wir tun es. Und noch ein Phänomen ist zu beobachten, die einzigen die sich darüber streiten, ob das ganze etwas mit Gott zu tun hat oder nicht, sind wir Christen. Logisch, werden manche sagen, denn über Gott wird eh kaum gesprochen. Stimmt so wahrscheinlich auch und dennoch finde ich es sehr interessant. Wir finden da mittlerweile unzählige Meinungen und theologische Deutungen für die Corona-Pandemie. Manche sind sehr hilfreich und manche gehen einfach am Thema vorbei, weil da Dinge angesprochen werden, die nicht erst ein Problem sind, seit es Corona gibt. Vieles wurde bisher auch gekonnt verdeckt, weil wir manche Dinge auch nicht sehen wollen. Es tut manchmal weh der Realität ins Auge zu sehen und festzustellen, eigentlich hatten wir manche Dinge bereits schon viel früher verloren. Und das wird auch nicht dadurch besser, wenn wir uns gegenseitig falsche Handlungs- und Denkweisen vorwerfen.

Vielmehr wäre es jetzt mal wirklich angebracht, den Ball flach zu halten und die Ruhe zu bewahren. Eins nach dem anderen anzusehen und zu überlegen, funktioniert das überhaupt, was wir so machen, denken und tun oder haben wir uns da was vorgemacht. Und dies gilt für alle Bereiche unseres Lebens und der Gesellschaft. Etwa zu drohen oder auf Gott und die Welt zu schimpfen, bringt uns jetzt nicht wirklich weiter. Auch wenn das zugegeben einfacher ist, als sich wirklich mit Problemen auseinanderzusetzen, die ihre Wurzeln weit vor Corona hatten. Schauen Sie sich zum Beispiel die Sache mit den Fleischverarbeitungsbetrieben an. Ich staune wirklich, dass jetzt alle so tun, als wenn dies völlig neu für Sie wäre, was Sie da hören oder lesen.

Liebe Schwestern und Brüder, die Heilige Corona wird sich ihren Teil denken und sich sagen: „Es muss erst eine weltweite Pandemie ausbrechen, damit jeder weiß, dass es mich gibt oder gegeben hat“. In diesem Sinne vergessen wir bitte nicht alle diejenigen, die weltweit um ihr Leben und ihre Existenz ringen und nicht die Zeit haben, sich über Probleme den Kopf zu zerbrechen, die bei genauerer Betrachtungen gar keine sind oder im schlimmsten Fall keine mehr sein werden!

Bitte bleiben Sie gesund! Herzliche Grüße

Ihr Pfarrer Markus Scholz, Pfarrer Andreas Eckert, Gemeindereferent Matthias Demmich und Praktikant Michael Kreher