"Wer glaubt, ist nie allein – im Leben nicht und auch im Sterben nicht." Benedikt XVI.

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„Gaudete, Freuet euch, denn der Herr ist nahe!“

Predigt:  3. Adventssonntag, 12.12.2020, Gaudete (hier als pdf)

Jes 61,1-2a.10-11;Lk 1,46b-48.49-50.53-54;1 Thess 5,16-24;Joh 1,6-8.19-28

Liebe Schwestern und Brüder,

Gaudete, Freut euch! Klingt in diesen Tagen wie ein schlechter Witz oder etwa nicht?  Eigentlich spricht die Situation um uns herum eklatant dagegen und wirklich freuen mag sich in diesen Tagen kaum jemand so richtig.

Sicherlich leiden wir keine Not, aber dennoch plagen uns schwere Sorgen, was die Zukunft anbetrifft. Natürlich geben dies die Wenigsten wirklich zu, das ist unsere Mentalität, leider! Aber an der Stimmungslage unserer Mitmenschen können wir dennoch gut den seelischen Stress, der damit verbunden ist, ablesen.

Auf den Straßen und in den Supermärkten liegen oft die Nerven blank, wie zum Beispiel im Einzelhandel, die Restaurants und die Kleindarsteller, die in der Advents- und Weihnachtszeit immer das Meiste zu tun hatten, bangen jetzt jeden Tag um ihre Existenz. In allen Medien scheint es nur ein Thema zu geben, das macht einen schon langsam ganz verrückt. Von vorweihnachtlicher Stimmung keine Spur.

Und genau in diese Gemengelage von Unsicherheit und Sorge, Genervtheit und Aggressivität, rufen ausgerechnet wir „Gaudete“ hinein. Wie verrückt ist das denn? Ja, „Gaudete, freuet euch!“ Denn der Herr ist nahe, dies rufen wir gerade jetzt in die Welt, in die Städte und Dörfer hinein. Doch woher nehmen wir diese Freude?

Liebe Schwestern und Brüder, unsere Freude speist sich nicht aus dem was uns umgibt oder was die Zukunft bringen wird, sondern was wir im Herzen tragen. Und das ist Glaube, Liebe und Hoffnung. Glaube an den Herrn, der uns gerade in dieser Zeit nahe sein möchte, wir müssen uns nur darauf einlassen können. Nutzen wir diese Zeit wirklich einmal zu einer echten persönlichen inneren Einkehr.

Denn von einer wirklichen Besinnung im Advent, konnte in den letzten Jahren und Jahrzehnten wohl kaum die Rede sein. Mit jedem Jahr nahm der Stress zu, noch ein Angebot und noch eins, eine Adventsbesinnung jagte die andere.

Krippenspiel- und Konzertproben ließen einen zwar das Weihnachtsfest ersehnen, aber oft nur aus dem einfachen Grund: „Endlich ist der Stress vorbei!“ Noch nie…..war die Chance so groß wie jetzt, endlich einmal vor dem Weihnachtsfest tatsächlich zur Ruhe zu kommen.

Liebe Schwestern und Brüder, neben dem eben beschrieben Glauben an den Herrn tragen wir noch die Liebe in unseren Herzen, die uns dazu befähigt, Menschen Mut und Zuversicht zuzusprechen. Eine Liebe, die Eltern und Alleinerziehende nicht verzagen lässt und ihnen die nötige Kraft gibt, ihren Kindern so viel Normalität wie möglich in diesen adventlichen Tagen zu geben.

Eine Liebe, die es ermöglicht in der Einsamkeit zu Hause nicht aufzugeben, sondern jeden Tag in der neuen Hoffnung zu beginnen, dass es heute besser wird als gestern. Auch und gerade dann, wenn wir am Abend feststellen, es lief genauso wie an den Tagen zuvor. Eine Liebe, die uns in die Lage versetzt es auszuhalten, wenn vieles in diesem Jahr so ganz anders ist als sonst. Ja, aus dieser Liebe und dem Glauben an den Herrn heraus speist sich unsere Hoffnung, die wir als Drittes im Herzen tragen. Diese Hoffnung ermöglicht es uns, den Menschen wirklich zuzurufen: „Gaudete, Freuet euch, denn der Herr ist nahe!“