"Nur die Kirche kann den Menschen vor der erniedrigenden Knechtschaft bewahren, ein Kind seiner Zeit zu sein." C. K. Chesterton

Was bedeutet dieses „Öl“?

Lesungen zum 32. Sonntag im Jahreskreis: Weish 6,12-16;Ps 63,2.3-4.5-6.7-8;1 Thess 4,13-18;Mt 25,1-13

„Das heutige Evangelium ist ein berühmtes Gleichnis, das von zehn Jungfrauen spricht, die zu einem Hochzeitsfest geladen sind, Symbol des Himmelreiches, des ewigen Lebens. Es ist ein treffendes und freudiges Bild, mit dem Jesus jedoch eine Wahrheit lehrt, die uns hinterfragt; denn von den zehn Jungfrauen werden fünf zum Fest eingelassen, weil sie bei der Ankunft des Bräutigams Öl haben, um ihre Lampen anzuzünden, während die anderen fünf draußen bleiben, da sie töricht waren und kein Öl mitgebracht hatten. Was bedeutet dieses »Öl«, das unverzichtbar ist, um zum Hochzeitsmahl eingelassen zu werden? Der hl. Augustinus und andere frühe Autoren sehen darin ein Symbol der Liebe, die man nicht kaufen kann, sondern als Geschenk empfängt, im Innersten bewahrt und in den Werken umsetzt. Wahre Weisheit besteht darin, das sterbliche Leben zu nutzen, um Werke der Barmherzigkeit zu tun, da dies nach dem Tod nicht mehr möglich sein wird. Wenn wir zum Jüngsten Gericht auferweckt werden, werden wir hinsichtlich der im irdischen Leben geübten Liebe gerichtet werden. Und diese Liebe ist Geschenk Christi, in uns eingegossen durch den Heiligen Geist. Wer an Gott, der Liebe ist, glaubt, trägt in sich eine unbesiegbare Hoffnung, wie eine Lampe, mit der er die Nacht jenseits des Todes durchschreiten und zum großen Fest des Lebens gelangen kann.“

Benedikt XVI aus dem Angelus vom 6.11.2011