"Nur die Kirche kann den Menschen vor der erniedrigenden Knechtschaft bewahren, ein Kind seiner Zeit zu sein." C. K. Chesterton

Der TAG DES HERRN als E-Paper - Jetzt entdecken!

Es war halt irgendwie alles komisch!

Liebe Pfarrgemeinde von St. Barbara,  Liebe Schwestern und Brüder in den Ortsgemeinden Riesa, Großenhain, Wermsdorf, Mügeln, Oschatz und Gröditz (Schreiben hier als pdf)

Auch in dieser Woche möchte ich Ihnen wieder ein kleines Lebenszeichen von uns hier aus dem Pfarrhaus geben. Wir haben, wie Sie wahrscheinlich auch, Ostern nur in einem kleinen, sehr kleinen, Rahmen feiern dürfen. Stellenweise kam ich mir auch vor, wie in den Zeiten des Kommunismus, Kirchentüren am besten verschlossen halten und bitte ja nicht zu viel Aufmerksamkeit erregen, sonst steht das Ordnungsamt oder eine andere Behörde in der Tür.

Es war für mich ein eher beklemmendes Gefühl und ich konnte mich auch nicht so richtig auf das eigentliche Mysterium konzentrieren. Es war halt irgendwie alles komisch! Und soll ich Ihnen mal was sagen? Ganz ehrlich? Sie haben mir alle gefehlt. Mir hat das leichte Gemurmel vor dem Gottesdienst gefehlt, das Husten, wenn in der Osternacht das erste mal wieder ordentlich Weihrauch eingelegt wurde.

Mir hat das Geräusch gefehlt, wenn Kinder gefühlt die Kirchenbank auseinandernehmen oder Kerzen auf den Boden fallen. Mir hat das Gestolper gefehlt, wenn Sie von draußen kommend in der dunklen Kirche ihren Platz suchen. Es war mir einfach zu stille in der Kirche. Und dennoch hatte Ostern dieses Jahr seine ganz eigene Prägung gehabt.

Eine Prägung, die mir ein kleinwenig Hoffnung gegeben hat, weil viele von Ihnen sich nicht davon abbringen ließen in irgendeiner Form doch Ostern zu feiern. Dass es niemanden egal war, wie diese Nacht oder dieser Tag verläuft oder wie diese verbracht wurde.

Von manchen weiß ich, dass sie sich um eine kleine Osterkerze versammelt und sich einen Ostergottesdienst im Fernsehen oder im Internet angesehen haben. Manche haben in ihrem Garten ein kleines Osterfeuer entzündet und sich als Familie darum versammelt.

Ich finde dies einfach schön und tief bewegend. Was mich dabei etwas nachdenklich gestimmt hat, war, dass manche doch ein schlechtes Gewissen dabei bekommen haben, weil sie nicht in der Form Ostern gefeiert haben, wie es ihnen empfohlen wurde und auch noch ganz ohne unser Zutun, als pastorale Mitarbeiter oder Priester. Warum eigentlich?

Jesus hat doch gesagt: „Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen!“ Mt 18,20. Da gab es keine direkte Aussage über das genaue wie. Ich glaube sogar, dass es manchmal gar nichts weiter braucht, außer, dass wir gut miteinander umgehen und einander zu hören. Ich weiß, das klingt jetzt alles nicht sehr theologisch und hört sich auch einfacher an, als es oft ist, vor allem nach vier Wochen Quarantäne vielleicht.

Aber wir dürfen da als Christen auch ruhig etwas mutiger werden und nicht immer gleich denken: „Jetzt haben wir vielleicht wieder etwas falsch oder gar zu wenig gemacht!“ Manchmal reichen eben auch mal ganz simple Dinge, wie ein gutes Zusammensein. Ein schlauer Mensch hat einmal auf die Frage: „Wo ist denn nun euer Reich Gottes?“ geantwortet: „Dort, wo wir gut miteinander umgehen!

Überall dort entsteht und ist Reich Gottes, ist der Herr gegenwärtig!“ Also haben wir dann doch in der Osternacht alles richtig gemacht, haben das Reich Gottes dort entstehen und wachsen lassen, wo wir uns gerade aufgehalten haben. Manchmal steckt eben hinter dem anscheinenden Wenig, oft mehr als wir glauben!
Liebe Schwestern und Brüder, wenn wir eines vielleicht aus dieser Krise gelernt haben, dann das, es bedarf vor allem eine gewisse innere Einstellung zu dem, was wir tun. Glaube und Kirche definiert sich nicht allein nur aus dem Gemeindeleben an sich.

Das ist, glaube ich, doch zu wenig, sondern auch wie wir in unseren vier Wänden mit dem Glauben und mit uns untereinander umgehen. Wie und ob wir überhaupt miteinander reden und uns zuhören können? Ob uns bestimmte Rituale wichtig sind und ob uns im wahrsten Sinne des Wortes wirklich etwas fehlt, nämlich die Eucharistie und der Empfang des Leibes Christi zum Beispiel?

Und vielleicht hat diese Krise doch einen positiven Effekt hervorgebracht, dass wir wegkommen von dem „Leib Christi“-Konsum, hin zu einem echten inneren Bedürfnis, den Herrn zu empfangen, weil uns etwas Wichtiges gefehlt hat, nämlich die Gemeinschaft mit ihm und untereinander.

Und das kann kein Fernsehgottesdienst, kein Livestream und kein Internetauftritt ersetzen, sondern höchsten dazu einen Anstoß geben.
In diesem Sinne, bleiben Sie gesund

Ihr Pfarrer Markus Scholz, Pfarrer Andreas Eckert und Gemeindereferent Matthias Demmich.