„Wir glauben nicht an Gott, weil wir ihn brauchen, sondern weil er uns liebt“, Kardinal Gerhard Ludwig Müller

Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet?

"Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat." Joh 3, 17, 18

Weil der Herr das gesagt hat, mißbrauchen viele Untätige in der Größe ihrer Sünden und in ihrer übergroßen Leichtsinnigkeit die Barmherzigkeit Gottes. Sie sagen: Es gibt keine Hölle und keine Strafe; alle Sünden läßt Gott uns nach. Doch wir müssen bedenken, daß es eine zweifache Ankunft Christi gibt: jene, die schon geschehen ist, und eine, die noch kommen wird. Jene erste geschah nicht, um unsere Taten zu richten, sondern um sie nachzulassen. Die zweite jedoch wird nicht Vergebung, sondern das Gericht bringen. Von der ersten Ankunft sagt der Herr: Ich bin nicht gekommen, um die Welt zu richten. Denn da er milde ist, hält er nicht sogleich Gericht, sondern verleiht die Vergebung aller Sünden, zuerst durch die Taufe, dann durch die Buße. Hätte er das nicht getan, so wären wir alle verloren gegangen. Denn alle haben gesündigt und bedürfen der Gnade Gottes (Röm 3,23). Damit also keiner glaubt, er könne ungestraft sündigen, spricht er über die Strafe für den Ungläubigen: Wer glaubt, wird nicht gerichtet. [Wer nicht glaubt, ist schon gerichtet.] "Wer glaubt" sagt er, nicht "Wer theologische Fragen stellt". Was aber, wenn er ein unreines Leben hat? Genau solche Leute nennt Paulus "ungläubig": Sie beteuern, Gott zu kennen, durch ihr Tun aber verleugnen sie ihn (Tit 1,16). Das bedeutet: Nicht seines Glaubens wegen wird er gerichtet, sondern seiner Taten wegen muß er eine schwerere Strafe erleiden. (Chrysostomus)

Quelle: Catena Aurea