Bekennt euch zu ihm vor allen Völkern, ihr Kinder Israels; denn er selbst hat uns unter die Völker zerstreut. Tob 13, 3

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„Wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden“ Joh 3, 14

Lesungen zum 4. Fastensonntag: 2 Chr 36,14-16.19-23;Ps 137,1-2.3-4.5-6;Eph 2,4-10;Joh 3,14-21

"Giftige Schlangen stiegen auf und sie steigen immer da auf, wo der Mensch seinem rebellischen, gegen Gott und auf seine Selbstherrlichkeit gerichteten Willen überlassen ist.

Die Rettung geschieht in der Mosesgeschichte dadurch, dass sozusagen eine Gegenschlange aufgestellt wird, ein Holzgestell, an dem eine abgebildete Schlange hängt. auf die zu blicken die Rettung ist. Jesus hat den Nikodemus erklärt, dass dies eine Vorschattung seines Kreuzesgeheimnisses gewesen ist.  …

Und so können wir verstehen, was die Geschichte von der Gegenschlange heißt und was Jesus dem Nikodemus sagt: Auf den Gekreuzigten hinschauen - das öffnet die Frucht der Unsterblichkeit. Und dies ist der Sinn dieses Tages, dass wir hinschauen auf den Gekreuzigten, dass unser Leben ein Hinschauen auf ihn werde; und dass wir in solchem Hinschauen wieder die Dialektik der Lüge, die uns umgibt, durchschauen lernen; dass wir ihn begreifen lernen; dass unser Leben in diesem Blick hineintritt und von ihm her verwandelt wird, von ihm die wahre Freiheit und die Fülle des wahren Lebens empfängt!"

Joseph Ratzinger, JRGS 14/3

Gott hat einen Namen, er lässt sich von uns anreden

Lesungen zum 3. Sonntag in der Fastenzeit: Ex 20,1-17;Ps 19,8.9.10.11-12;1 Kor 1,22-25;Joh 2,13-25

„(Ein) Kirchengebet lautet: „Lass uns Herr, Deinem Namen allezeit ebenso fürchten und lieben…“

Am Anfang steht also als tragendes Thema der heilige Name des Herrn. Es klingt auf das zweite Gebot: „Du sollst den Namen des Herrn deines Gottes heilighalten“ (vgl. Ex 20, 7); es klingt auf die erste Bitte des Vaterunser: „Geheiligt werde Dein Name“ (Mt 6, 9). Gott hat einen Namen. Das will sagen: Er lässt sich von uns anreden, von uns anrufen; er hat sich auf uns eingelassen, sodass wir wirklich zu Ihm hinreden, Ihn gleichsam anrühren können. …

Aber diese Zugänglichkeit Gottes bedeutet auch seine Verletzlichkeit. …

Wo der Name Gottes, das Angesicht Gottes entstellt, entheiligt wird, da wird auch der Mensch entwürdigt.“

Joseph Ratzinger JRGS 14/2

Verklärung - durchleuchtet vom Glanz Gottes

Lesungen zum 2. Fastensonntag: Gen 22,1-2.9a.10-13.15-18;Ps 116,10 u. 15.16-17.18-19;Röm 8,31b-34;Mk 9,2-10

Raffaello Santi:  Transfiguration – Verklärung Christi (Ausschnitt, Vatikanische Museen)

In der Verklärung wird die innere Wahrheit des Kreuzes, die Einheit von Kreuz und Auferstehung sichtbar. Das Kreuz lässt uns freilich erkennen, welches allein der Weg der Verklärung, der Verwandlung der Durchlichtung und Befreiung des Menschen ist. Verklärung bedeutet ja, dass dieser Mensch durchleuchtet wird vom Glanz Gottes, dass er sich nicht mehr zurückhält, sondern transparent, durchsichtig wird für ihn, dass er sich von ihm durchdringen, umwandeln lässt. Und dies ist Kreuz und Auferstehung zugleich: durchsichtig werden für Gott; Wohnstätte Gottes werden, dadurch dass das ganze Leben sich hineinverbrennen lässt in ihn, durchleuchten lässt von ihm und so zum wahren Leben kommt, Auferstehungswirklichkeit wird. Verklärung geschieht nicht anders als in sich Preisgeben für Gott. Aber auch umgekehrt: Kreuz ist nicht Quälerei, sondern ist das Durchdrungenwerden des Lebens von der Liebe, indem es allmählich hell wird, frei wird, offen wird für das Geheimnis des Ewigen auf die Auferstehung hin.

Joseph Ratzinger, JRGS 14/1

Quadragesima - das Fest der vierzig Tage

Lesungen zum 1. Fastensonntag: Gen 9,8-15;Ps 25,4-5.6-7.8-9;1 Petr 3,18-22;Mk 1,12-15

„Wir feiern darin die Überwindung des Dualismus von Transzendenz und Immanenz: das sich Berühren von Gott und Welt, die Mächtigkeit Gottes, der nicht der Gefangene seiner Ewigkeit ist und nicht der Gefangene der Gesetze der Welt, die er geschaffen hat, sondern der durch das Herz des Menschen immerfort hereinrühren kann in dieser Welt. Wir feiern die Freiheit des Menschen und die Quadragese ist ein Fest der Freiheit, nämlich der Freiheit vom Urgesetz des Egoismus, der Freiheit darin von den Mächten des Triebes und letztlich von der Macht des Todes, der durch die Isolierung des Ich, durch die Isolierung der Teile des Seins herrscht. Wir feiern darin die Überwindung des Dualismus von Materie und Geist, denn sich der Quadragese anschließen bedeutet, dass die Materie zu einer neuen Möglichkeit gelangte, indem sie sich den Geist verfügbar macht und dass der Geist zu einer neuen Größe und Tiefe findet, indem er die Materie annimmt, bejaht, durchdringt und beides zu der einen neuen Schöpfung verschmilzt, die Gott gewollt hat.“

Joseph Ratzinger, JRGS 14,1