"Wenn Sie in die Welt hineinschauen, sehen Sie keinen Himmel, aber Sie sehen überall die Spuren Gottes." Benedikt XVI.

Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.

"Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe." (Joh 10,11)

Er fügt hinzu, worin die Gutheit besteht, die wir nachahmen sollen: "Der gute Hirt gibt sein Leben für die Schafe." Er tut das, wozu er ermahnt, er macht vor, was er befiehlt: Für seine Schafe hat er sein Leben gegeben, um seinen Leib und sein Blut in ein Sakrament für uns zu verwandeln und die Schafe, die er losgekauft hatte, mit seinem Fleisch zu sättigen. Dadurch ist uns ein Weg gezeigt, den wir, den Tod nicht fürchtend,  gehen sollen. Die Form, die wir annehmen sollen, hat er vorgegeben.Zunächst ist es unsere Pflicht, mit dem, was wir äußerlich besitzen, voll Erbarmen für seine Schafe aufzukommen; wenn es aber nötig sein sollte, müssen wir unser Leben bis hin zum Tod für diese Schafe einsetzen. Wer für die Schafe nicht einmal seinen Besitz geben mag, wie wird der sein Leben für sie hingeben? (Gregor der Große, Hom. in Ev. 14)

Quelle:Catena Aurea

 

"Ich bin bei Euch"

"Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen." (Luk 24, 15)

Der Herr naht Sich ihnen, da sie von Ihm reden, und begleitet sie. Denn Er will in ihren Herzen auch den Glauben an die Auferstehung entzünden und erfüllen, was Er versprochen hatte, nämlich: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen (Mt 18,20).

(Beda)

Quelle:Catena Aurea



Der Auferstandene (Fenster der Kirche in Amelungsborn)

Jesus hatte den ganzen Menschen angenommen

"Sie kamen zu einem Grundstück, das Getsemani heißt, und er sagte zu seinen Jüngern: Setzt euch und wartet hier, während ich bete. Und er nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst." Mk 14, 32/33

Ölbergszene am Bartholomäusturm in Erfurt
   
Es war dem Herrn in einzigartiger Weise eigen, immer zu beten, und er wollte uns damit ein Beispiel geben, das Schweigen und die Einsamkeit im Gebet zu suchen. Er nahm Petrus und Jakobus und Johannes mit sich. Diese drei, weil sie auf dem Berg Tabor auch seine Herrlichkeit gesehen hatten; nun sollten sie die Traurigkeit sehen, und begreifen, daß er in seiner Betrübnis wahrer Mensch war. Er hatte den ganzen Menschen angenommen, so hatte er auch alles angenommen, was dem Menschen eigen ist: die Angst, das Grauen und die Traurigkeit; denn von Natur aus geht kein Mensch freudig in den Tod. (Theophylactus)

Quelle: Catena Aurea

Vater, rette mich aus dieser Stunde

"Jetzt ist meine Seele erschüttert. Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde? Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen." (Joh 12, 27)
   
Als er dem Kreuz nahte, zeigt er, daß er menschlich ist und eine menschliche Natur hat, die nicht sterben will, sondern an diesem Leben hängt. So wird deutlich, daß er nicht außerhalb des menschlichen Leidens blieb: wie es nämlich kein Vergehen ist, Hunger zu haben, so auch nicht, sich das gegenwärtige Leben zu wünschen. Christus hatte einen reinen Leib ohne Sünde, aber nicht ohne die natürlichen Bedürfnisse. Das gehört zu seiner Menschlichkeit, nicht zu seiner Göttlichkeit. (Chrysostomus)

Quelle: Catena Aurea

 

Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet?

"Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat." Joh 3, 17, 18

Weil der Herr das gesagt hat, mißbrauchen viele Untätige in der Größe ihrer Sünden und in ihrer übergroßen Leichtsinnigkeit die Barmherzigkeit Gottes. Sie sagen: Es gibt keine Hölle und keine Strafe; alle Sünden läßt Gott uns nach. Doch wir müssen bedenken, daß es eine zweifache Ankunft Christi gibt: jene, die schon geschehen ist, und eine, die noch kommen wird. Jene erste geschah nicht, um unsere Taten zu richten, sondern um sie nachzulassen. Die zweite jedoch wird nicht Vergebung, sondern das Gericht bringen. Von der ersten Ankunft sagt der Herr: Ich bin nicht gekommen, um die Welt zu richten. Denn da er milde ist, hält er nicht sogleich Gericht, sondern verleiht die Vergebung aller Sünden, zuerst durch die Taufe, dann durch die Buße. Hätte er das nicht getan, so wären wir alle verloren gegangen. Denn alle haben gesündigt und bedürfen der Gnade Gottes (Röm 3,23). Damit also keiner glaubt, er könne ungestraft sündigen, spricht er über die Strafe für den Ungläubigen: Wer glaubt, wird nicht gerichtet. [Wer nicht glaubt, ist schon gerichtet.] "Wer glaubt" sagt er, nicht "Wer theologische Fragen stellt". Was aber, wenn er ein unreines Leben hat? Genau solche Leute nennt Paulus "ungläubig": Sie beteuern, Gott zu kennen, durch ihr Tun aber verleugnen sie ihn (Tit 1,16). Das bedeutet: Nicht seines Glaubens wegen wird er gerichtet, sondern seiner Taten wegen muß er eine schwerere Strafe erleiden. (Chrysostomus)

Quelle: Catena Aurea